GeDiMINT – Questions & Answers – What does it mean?
„In der Grundlagenforschung können Geschlechter- und Vielfältigkeitsdimensionen für die Planung und Durchführung von Forschungsprojekten ein entscheidender Faktor sein. Dies gilt ganz unabhängig von der Disziplin und etwa dann, wenn es um die Übertragbarkeit von Ergebnissen auf und ihre spätere Anwendbarkeit oder Nutzbarkeit für unterschiedliche Personengruppen geht“ (DFG-Stellungnahme 2020: 2).
Bei der Entwicklung von Materialien und Techniken oder der Analyse von stofflichen Reaktionen und Prozessen wie z.B. der Entwicklung von E-Motoren wirkt Geschlecht meist nicht auf der Wissensebene, d.h. im Beispiel auf die Funktionsweise des E-Motors. Das genannte Forschungsfeld hat dann keine inhaltliche Geschlechterdimension. Bestehen Geschlechterungleichheiten in Bezug auf die Forschenden und ihre Arbeitssituation, so können dennoch strukturelle und kulturelle Geschlechterdimensionen in dem Forschungsprojekt Bedeutung erlangen; die Wirkung von Geschlecht auf Struktur und Kultur der beteiligten Wissenschaftsdisziplinen ist dann genauer zu betrachten (vgl. DFG Checkliste). Inhaltliche Geschlechterdimensionen werden insbesondere dann relevant, wenn Mensch oder Tier Teil der Forschung oder Anwendung sind (vgl. ebd.), in dem Beispiel u.a. in Produktentwicklung und -design von E-Autos.
Mit der Wissenschaftssoziologie kann gefragt werden, a) wie das sozial bzw. kulturell hervorgebrachte Verständnis von Geschlecht die Wissenschaft beeinflusst, b) wie Wissenschaft selbst an der Konstruktion dieses Geschlechterverständnisses beiträgt und c) die Ressourcen in der Wissenschaft auf die Geschlechter (un)gleich verteilt sind (vgl. Paulitz 2012).
| Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fordert in ihrer Checkliste konkrete Ausführungen, wenn ... ... Menschen und Tiere erforscht werden (an oder über Menschen, an Tieren oder über Tiere, mit von Menschen oder Tieren entnommenem Material und/oder mit auf Menschen oder Tiere bezogenen Daten). ... Forschungsergebnisse für Menschen und/oder Tiere nutzbar sein bzw. an ihnen zur Anwendung kommen sollen. ... Geschlecht und/oder Vielfältigkeitsaspekte der Forschenden bzgl. Arbeitsprogramm und Untersuchungsmethoden von Bedeutung für die zu erwartenden Ergebnisse sein könnten. |
Paulitz, Tanja (2012): Geschlechter der Wissenschaft. In: Maasen, Sabine/ Kaiser, Mario/ Reinhart, Martin/ Sutter, Barbara (Hg.): Handbuch Wissenschaftssoziologie. Wiesbaden: Springer VS, S. 163-175 (zum pdf)
