GeDiMINT – Fragen & Antworten – Was ist der Unterschied?

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Gleichstellung, englisch Equality, ist eine (hochschul-)politische Strategie. Sie zielt in Bezug auf Geschlecht darauf, dass benachteiligte oder unterrepräsentierte Gruppen durch Maßnahmen zahlenmäßig in gleichen Anteilen in der Arbeitswelt, der Politik, der Wirtschaft, der Gesellschaft etc. teilhaben. Männer und Frauen - im besten Fall alle Geschlechter - müssen „auf dem gesamten Lebensweg die gleichen Chancen erhalten - persönlich, beruflich und familiär“ (BMFSFJ, Thema Gleichstellung). Konkret bedeutet dies u.a. gleiche Zugangschancen zu Bildungsinstitutionen und Arbeitsmarkt, gleiche Teilhabe in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit und vieles mehr. Es gilt Mechanismen und Regelungen zu identifizieren, die zu Ungleichheit führen und diesen entgegenzuwirken. Insofern gilt es auch Rahmenbedingungen zu schaffen, die für gleiche Karrierechancen sorgen.

Im Hochschulkontext in Bezug auf MINT-Disziplinen heißt dieses insbesondere, durch Maßnahmen das Interesse von Schüler*innen an MINT-Fächern zu wecken, Studieninteressierte zu gewinnen, den Frauenanteil auf allen Ebenen zu erhöhen und Nachwuchswissenschaftler*innen zu halten. Gleichzeitig entstehen aus (unbewusst) vergeschlechtlichten Fachkulturen Barrieren, die Ungleichheitsstrukturen bedingen und aufrechterhalten. Die Box MINT4TU sammelt an der TU Braunschweig existierende Gleichstellungsmaßnahmen im MINT-Bereich.

Geschlechterforschung, englisch Gender Studies, ist eine wissenschaftliche Disziplin oder ein wissenschaftliches disziplinäres Feld. Es ist die theorie-, methoden- und empiriegeleitete Auseinandersetzung mit der Frage, welche Bedeutung Geschlecht in allen Bereichen des menschlichen Lebens hat. „Leitend ist dabei die Annahme, dass Geschlecht komplex ist. Es ist zugleich individuelle Erfahrung, soziale Strukturkategorie, kulturell-symbolischer Code, körperlich-leibliche Materialität, Dimension und Effekt sozialer Praxen, Teil von Organisationen und Institutionen, literarisches Narrativ usw.“ (Lehrstuhl von Prof. Dr. Paula-Irene Villa, mehr dazu hier).

Wie andere Disziplinen auch sind die Gender Studies in ihren Anliegen, Erkenntnisinteressen sowie methodischen und theoretischen Zugängen heterogen. Der Wissenschaftsrat konstatiert: „Die Geschlechterforschung untersucht mit unterschiedlichen Theorien und Methoden, auf verschiedenen Ebenen und für verschiedene gesellschaftliche Bereiche, Epochen und Kulturen, was unter der Kategorie Geschlecht zu verstehen ist, wie sich Geschlechterverhältnisse konstituieren und ausgestalten sowie welche Relevanz - auch in historischer Perspektive und in verschiedenen sozialen Zusammenhängen - Geschlechterdifferenzen, Geschlechterrollen und Geschlechteridentitäten für den einzelnen Menschen und die Gesellschaft haben.“ Er verweist auf die Notwendigkeit, „die Geschlechterforschung als breites Forschungsfeld zu begreifen, das nicht von einer einzelnen Disziplin bearbeitet werden kann, sondern multidisziplinär und im Idealfall auch inter- und/oder transdisziplinär aufgestellt sein muss“ (WR 2023: Empfehlungen, S. 13f.).

Ein Einblick in diese Heterogenität in Bezug auf die MINT-Disziplinen bietet die GeDiMINT-Toolbox.

Trennung oder Verschränkung?  Wichtig ist, die Differenzen zu begreifen, da mit Gleichstellung und Geschlechterforschung unterschiedliche Zielperspektiven und Handlungsfelder verbunden sind: Gleichstellung als Policy und Geschlechterforschung als Teil von Forschung und Lehre. Die Geschlechterforschung kann auch Analysen bieten, auf deren Basis Policy sachbasiert betrieben werden kann. Die Erforschung von Werdegängen in den Fächern der Excellenzcluster (EXC) und Sonderforschungsbereiche (SFB) ist ein Beispiel von Geschlechterforschung im Cluster SE2A. Dazu parallel eingeführte SE2A-Gleichstellungsmaßnahmen finden sich hier aufgeführt.

Dies verdeutlicht, dass Geschlechterforschung - wie jedes wissenschaftliche Feld - in erster Linie Analysen liefert und erst in zweiter Linie damit Ansätze für die Anwendung ermöglicht. Geschlechterforschung in MINT bietet Analysen für die Bereiche, in denen Geschlecht als Gegenstand in den Technik- und Naturwissenschaften erkannt und berücksichtigt werden kann. Dieses hat das Potential für MINT-Disziplinen, aufgrund ergänzender Themen und sich verändernder Fachkulturen für neue Zielgruppen aller Qualifikationsstufen attraktiver zu werden. Das hat wiederum auch einen möglichen Effekt für eine größere Teilhabe aller Geschlechter an diesem wissenschaftlichen Feld. Weitere Beispiele für die MINT-Disziplinen liefert die Handreichung „Gender-Perspektiven in den Natur- und Technikwissenschaften“ des Projektes „Gendering MINT“ an der Universität Freiburg.

Mangelsdorf, Marion (2019): Handreichung Gendering MINT. Vernetzung und Austausch von Gender-Perspektiven in den Natur- und Technikwissenschaften. Universität Freiburg (zum pdf)