Lehre – BZG-Lehre – Ringseminar SoSe2022
Kann heute angesichts einer zunehmenden kreativen Vervielfältigung geschlechtlicher Praxen von einem Bedeutungsverlust der Kategorie Geschlecht gesprochen werden oder ist Geschlecht weiterhin als Strukturkategorie wirksam, sodass Gesellschaft machtvoll mit Ungleichheit verbunden ist z.B. in Bezug auf Lebensweisen, Normen, Realisierungschancen, Repräsentationen, Ressourcen? Das Seminar behandelt das Thema aus unterschiedlichen Disziplinen. Unter Berücksichtigung der Affekttheorie und intersektionaler Aspekte beleuchtet eine soziologische Perspektive soziale Beziehungen und Gesellschaft. Wie stark Zweigeschlechtlichkeit, Geschlechterstereotype und Sexismus spezifische gesellschaftliche Bereiche prägen, wird am Beispiel der Gewaltprävention in der Entwicklungszusammenarbeit, anhand des Zugangs und der Teilhabe an Sportsettings und in Bezug auf Computerspiele diskutiert, wobei auch mögliche subversive Praktiken betrachtet werden. Der historische Fokus zeigt, dass die Vorstellung von zwei fundamental voneinander unterschiedenen Geschlechtern relativ jung ist und Ergebnis vom Zusammenspiel (natur-)wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen. Anhand der Hofeunuchen in der Spätantike kann reflektiert werden, wie die Entmannung erst eine besondere Ehrenstellung ermöglicht und welche sozialen Beziehungen sich damit verbanden. Wissenschaftshistorisch lässt sich die Herausbildung der Trennung zweier Geschlechter im 18. Jhd. verorten und ihre mögliche Unterwanderung durch queere Techniken im 21. Jhd. diskutieren. Wie im Kaleidoskop werden durch diese unterschiedlichen disziplinären Zugänge Überschneidungen, Interferenzen und Abgrenzungen erkennbar, die die Frage nach Macht und Ungleichheit aus geschlechtertheoretischer Perspektive durchziehen.
