Programm der 6. Ricarda Huch Poetikdozentur: Sasha M. Salzmann

Formatumstellung angesichts von Covid-19

Preisträgerin Sasha M. Salzmann
Stefan Loeber

Covid-19 hat die Gesellschaften europaweit und global im Griff. Was lässt sich aus Sicht feministischer Diskussionszusammenhänge zu der durch das Virus ausgelösten gesellschaftlichen Entwicklung sagen? Sind jetzt (ersehnte/befürchtete) Wertewechsel möglich oder wird vielmehr an alteingesessenen Strukturen umso nachhaltiger festgehalten? Welche Beobachtungen generiert die Situation, was können zu diesem Zeitpunkt Künstlerinnen und Denkerinnen bereits oder wieder erkennen?

Sasha Marianna Salzmann, ausgezeichnet mit der diesjährigen Ricarda Huch Poetikdozentur, initiiert in diesem Rahmen vier Gespräche: mit der Soziologieprofessorin Sabine Hark, dem Autor und Dramaturg Necati Öziri, der Dramatikerin Sivan Ben Yishai und der Schriftstellerin Emma Braslavsky. Sie setzen der rasend schnellen globalen Entwicklung mit ihren naturwissenschaftsbasierten Entscheidungen und rasch gefassten Notfall-Maßnahmen eine radikal entschleunigte, intellektuelle Technik entgegen: Nachdenken; ungesehene Zusammenhänge ansprechen; ignorierte Konsequenzen benennen; blinde Voraussetzungen klären.

Die diesjährige Poetikdozentur verläuft angesichts von Covid-19 in veränderter Form: Die vier geplanten Gespräche werden aufgezeichnet und online ab Juli bis September zur Verfügung gestellt. Ein Vortrag sowie die Preisverleihung mit Lesung finden im Herbst statt, das Format entwickeln wir noch.
In diesem Beitrag finden Sie auch in Zukunft alle aktuellen Informationen und die Verlinkung aller Online-Gespräche im Rahmen der 6. Ricarda Huch Poetikdozentur.

Ab dem 20. Juli gehen online

ab heute zu sehen

Grußworte der Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse sowie der Präsidentin der TU Braunschweig Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla

Laudatio von Dr. Carolin Bohn

Im Gespräch I: Sasha M. Salzmann – Prof. Dr. Sabine Hark
„Brüderhorde“

In Sigmund Freuds Kulturtheorie ermordet die Brüderhorde den Vater, Clanchef und Alleinherrscher. Dadurch entsteht – temporär und auf ein Geschlecht beschränkt – geteilte männliche Herrschaft, was zunächst nach der Urszene der Demokratie klingt. Im Gespräch gehen Sasha Salzmann und die Soziologin Sabine Hark dem Begriff aus feministischer Perspektive nach: Ist das heute anscheinend zunehmende (Wieder-)Erstarken von „Brüderhorden“ eine teils gewaltvolle, teils hilflose Reaktion auf die Möglichkeit einer nicht-binären (geschlechtlichen) Logiken folgenden Gesellschaft oder birgt es auch Potentiale für eine geschlechtergerechte Gesellschaft?

Im Gespräch II: Sasha M. Salzmann – Necati Öziri
„Für wen schreiben wir?“

Im Gespräch zwischen den Autor*innen Sasha Salzmann und Necati Öziri, die nacheinander das STUDIO Я am Gorki Theater in Berlin geleitet haben, entspinnen sich Gedanken darüber, für wen sie schreiben – und für welches Heute, für welche Zukunft, aufgrund welcher Vergangenheit und Geschichte. Wie kann erzählt werden, was heute wirklich erzählt werden muss, weil es gesellschaftlich brennt – Desintegration, kanonische versus queere Blicke, Rassismus, Migration. In das Gespräch sind auch eine Reihe von Fragen an Sasha Salzmann eingeflossen, die Studierende der Germanistik (TU) und des Darstellenden Spiels (HBK) entwickelt haben.

Weitere Gespräche bis Herbst online

Im Gespräch III: Sasha M. Salzmann – Sivan Ben Yishai
„The Body as an Argument“

Im Gespräch mit der Dramatikerin Sivan Ben Yishai werden Fragen nach Geschlechtsidentität, Liebe, Immigration, Selbst-/Sabotage, Wissen und Wollen, Sprechen und Begehren mit ihrer körperlichen Seite kurzgeschlossen und von dort aus gestellt. Ist Identität eine Körperinschrift, ist der Körper sich selbst Inschrift, ist er Prozess seiner Umschrift, was und wie denkt und spricht ein ‚palimpsestuöser‘ Körper? Wo fängt Sexualität an, wo hört Körper auf? Was passiert, wenn das Körperliche, das materielle ein-Körper-Sein als Argument zählt? Was ist und wie weit geht das „Materielle“? Was sagt aktuell der feministische Materialismus dazu?

Im Gespräch IV: Sasha M. Salzmann –Emma Braslavsky
„Der Android ist eine Frau“

Im Gespräch knüpfen Sasha M. Salzmann und die Schriftstellerin und Kuratorin Emma Braslavsky an deren letzten Roman „Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten“ (2019) an. Was macht den Roboter einem Geschlecht zugehörig – Zuschreibung, Programmierung, Gelegenheit, Anpassung? Wo treffen sich Maschinenmenschen und feministische Ansätze, unsexuelle/sexualisierte Körper und anpassungsfähige, dienstbereite Hubots?

Im Herbst folgen

ein Vortrag sowie die Preisverleihung mit Lesung. Hier informieren wir Sie später, wann genau und wie diese stattfinden können.